Entlang der R 17 – Entschleunigung pur

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Für uns ist die Stadt am Meer, mit ihren kleinen Cafe`s und bunten Holzhäusern, der Ort an dem wir erst mal unsere sommerlich leichte, gegen winterlich bequeme Bekleidung tauschen. Am Abend weht ein frischer Wind vom Meer hinauf über den Campingplatz.

Aber der Reihe nach!

Ein kulturelles Highlight unserer Reise ist der Besuch, der zur UNESCO Welterbe zählenden Altstadt von Røros. Sie liegt passenderweise auf unserer Strecke vom Femundsee an der schwedischen Grenze nach Trondheim.  Der Ortskern besteht aus alten Holzhäusern, die seit dem 17. Jahrhundert nahezu unverändert geblieben sind. Dementsprechend wird die Stadt täglich von Touristenströmen heimgesucht. In der Fußgängerzone finden sich Cafe`s und Geschäfte, die regionale Produkte anbieten, sowie eine handvoll Sportgeschäfte. Die meisten norwegischen Kleinstädte haben wenig Charme, diese hier schon!

Kaffee Viertel

Die Landschaft auf dem Weg Richtung Trondheim wandelt sich von Tundra ähnlich, mit kleinwüchsigen Bäumen und kargen Berggipfeln zu südtirolartig mit roten Holzhäuser am Hang.

Wir fahren erst einmal durch Trondheim durch und schlagen 14 Kilometer hinter der Stadt unser Zelt auf dem „Vikhammer Motell – Camping“ – Platz auf. Hier treffen wir vor allem Nordkapreisende, die oft  in kurzer Zeit viele Kilometer machen müssen.  Also ein Kommen und Gehen und eher ungemütlich. Doch eine sehr nette Begegnung haben wir hier dennoch. Wir lernen Theresa und Marcus kennen, die mit Maja auf Elternzeit in Norwegen unterwegs sind. Mit ihnen tauschen wir uns über unsere bisherigen Erfahrungen auf „Elternreise“ aus und stellen fest,  dass wir alle ähnliche Problemchen in den ersten Wochen der Reise haben. Wie bringt man die Bedürfnisse von Allen jeden Tag unter einen Hut?! Wer macht was und wann? Wie schnell wollen wir vorankommen. Lieber länger Fahren und dann länger Stehen oder jeden Tag von allem ein bisschen. Was heute richtig und gut ist kann morgen schon wieder nicht mehr passen. Es sind viel Flexibilität und Toleranz gefragt.

Ein Wiedersehen gibt es auch noch in Trondheim. Wir treffen Holger, unseren Halbnachbarn und  Arbeitskollegen. Mit ihm erkunden wir die Stadt und genießen in einer Trondheimer Kaffeerösterei ein original koffeinhaltiges norwegisches Schwarzgetränk.  Unsere gemeinsame Erkenntnis  über den neuen Geschmack lautet einhellig: „Es war mal was Neues!“

Entlang der R 17

Welcher Weg soll uns in den Norden bringen? Die „schnelle“ E6 mit zwei bis drei Tagen oder die langsamere R 17 mit vier bis fünf Tagen? Wir entscheiden uns für die R wie „Reichsstraße“ 17. Es war die richtige Entscheidung!

auf der R17 in Norwegen

Was wir bisher nicht geschafft hatten, erledigt nun diese Küstenroute. Sie entschleunigt uns! Der Kystriksveien ist eine 600 Kilometer lange „Traumstraße ins Land der Mitternachtssonne“. Klingt übertrieben, ist aber tatsächlich einer der schönsten Wege denen wir je gefolgt sind.

Bevor wir auf die R 17 kommen verbindet uns die R 769 dorthin. So fahren wir auf kleinen Nebenstraßen entlang der zerklüfteten Küstenlandschaft. Schnell entpuppt sich dieser kleine Umweg von 121 Kilometern für uns als sehr lohnenswert. Die Strecke führt  vorbei an Schluchten, Fjorden und tief ins Landesinnere verlaufenden Buchten. Hinter jeder Kurve verbirgt sich ein geniales Fotomotiv. Doch Charlotte mag es nicht, wenn man das Auto stoppt. Dann wird sie gerade am Vormittag aus ihrem Kinderschönheitsschlaf geholt.

Kompromisse aus guter elterlicher Betreuung und gesuchter Erholung müssen her. Manchmal lassen wir für einen kurzen Augenblick den Motor einfach laufen. Oder wir schnallen Charlotte in unser Tragesystem. Einige Male geht es gut, oft aber nicht.

So entscheiden wir uns, die Etappen noch kürzer zu legen. Vormittags ein bisschen Strecke machen und am Nachmittag auf dem Campingplatz oder an einem anderen Stellplatz die Spielwiese ausbreiten. Diese Variante erweist sich für alle Beteiligen als optimal.

Schon sind wir am Torghatten. Einem 260m hohen Berg, der seinen Namen dem hutähnlichen Aussehen verdankt. Das Besondere an dem Berg ist, dass oberhalb ein Durchbruch mit einem Durchmesser von 35m und einer Länge von 169m ist. Also ein Loch im Berg. Zahlreiche Legenden und Sagen gibt es zu der Entstehung dieses Loches. Dabei ist die Erklärung recht simpel von seitens der Wissenschaft. In der letzten Eiszeit drückte der Glazialpanzer auf den Erdmantel und somit den Berg unter das Meeresspiegelniveau. Über Jahrtausende entstand durch die Meeresströmung das besagte Loch, zu dem trittsicheren Menschen eine halbe Stunde Hochlaufen.

Camping am Torghatten

Auf dem Campingplatz treffen wir Hartmut aus Berlin Pankow, der seit 20 Jahren Norwegen in allen Ecken bereist hat. Nur eine kleine Frage und es sprudelt aus ihm mit Erzählungen, Tipps und Vorschlägen heraus. Interessante Orte und tolle Campingplätze. Wundervolle Museen und traumhafte Wanderungen. Man merkt Hartmut an, dass er dieses Land liebt. Bei all seinen Erzählungen und Tipps, merkt er sicher, dass ich mir gar nicht alle fremdklingenden Namen merken kann. So kommt er kurze Zeit später zu uns an den Bus und überreicht uns ein Zettel mit allen wichtigen Tipps und Hinweisen. Diesen Zettel werden wir nun nach und nach auf unserer Reise abarbeiten.

Eines dieser von Hartmut erwähnten Highlights entlang der R 17 ist die Gebirgskette der „sieben Schwestern“. Ein weiteres der Svartisen Gletscher, zu dem man mit dem Boot über den Fjord fahren muss. Auf der anderen Seite kann man sich dann Fahrräder ausleihen, um die 2 Kilometer vom Bootsanleger bis zum Gletscher per Pedes zurück zulegen. Oder man läuft die ganze Strecke einfach.

Blick von Torghatten

In den Fjorden entdecken wir immer wieder große Lachszucht anlagen. Wie wir erfahren können in einem „Gehege“ bis zu unglaublichen 200.000 Lachse gehalten werden. Was wir allerdings nicht sehen, ist die kritische Seite der Lachszucht. (hier mehr dazu)

Der Abschluss unserer Tour entlang der R 17, ist der Besuch der Saltstraum. Dem wohl stärksten Mahlstrom der Welt, wo sich das Meer durch eine kleine Enge in den Gezeiten drückt. Links und rechts dieses Naturschauspiels, ohne gleichen, findet sich ein überteuertes Restaurant und Campingplatz der in der Regel überfüllt ist und wenig Schatten bietet. Ganz abgesehen von den mangelnden Sanitären Anlagen. Dafür kann hier der Camperluxus gut zur schau gestellt werden, wenn man ihn den hat. Hier treffen wir Hartmut kurz wieder. Danke Hartmut für Deine Tipps!

Die Wettervorhersagte sat uns, das es in den nächsten Tagen auf den Lofoten gutes Wetter haben soll. Kurzum entscheiden wir noch spontan von den Saltstraum nach Bodø zu fahren, um von dort mit der Fähre überzusetzen. Und wieder einmal zeigt sich, das wir Glückkinder sind. Wir kommen 45 min vor dem regulären ablegen der Fähre. Wir haben keine Reservierung und finden dennoch als letzte Platz auf der Fähre. Was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich ist.

Dank unserer „Ferje Kort“, die uns ein netter deutscher während einer Überfahrt empfohlen hatte, sparen wir sogar 40% bei der Überfahrt. Statt der 90,- Euro für unseren VW Bus, zahlen wir nur 50,- Euro, bei zwei Erwachsenden und einem, Kind.

Lofoten wir kommen.

 

 

Eva & Mike Strübing

Wir, die gebürtige Oberpfälzerin Eva und der gebürtige Berliner Mike schreiten seit 2006 gemeinsam durchs Leben. Die Lust am Reisen, am Sport und das Erleben anderer Kulturen schweißt uns zusammen. Ein Leben ohne bewußtes erleben wäre für uns beide nicht vorstellbar. Den Leben ist Reisen, wie reisen leben ist.

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