Norwegen + Nordkap 1999 – Mit dem Fahrrad von Berlin zum Nordkap

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Nord Norwegen

Bei Naatamo radle ich in Norwegen ein. Um so dichter ich an Norwegen heran kam, um so hügliger und vorallem kälter wurde es. Das schöne Wetter wechselte in mehr Wolken und Regen.Ist Norwegen doch dafür bekannt mit regen und schlechtem Wetter zuprotzen, so war der erste Tag die volle Bestätigung dafür. Regen, Berge und ein starker Wind standen mir gegenüber. Nun hiess es Zähne zusammenbeissen und 100 km ohne Verpflegungsstation hinter mich zu bringen. Kein Shop. Keine Tankstelle. Kein Restaurant. Einfach nichts, wo man sich mal hätte vorm Regen schützen können!

Karge Felsen, Eis bedeckte Seen und ab und zu ein paar Sträucher bieten dem Wind nicht gerade den Widerstand welchen ich mir erhoffte. Solch einen Wind , wie Er sich mir bot, hatte ich noch nie auf einer Tour gehabt. Vardö war mein erstes grosses Ziel in Norwegen. Vardö liegt bereits am Rande der Arktis. Ein kleiner Ort mit ca. 300. Einwohner und im besitzt der nördlichsten Festung der Welt. Dort am Rande von Norwegen, wo es zwei Lebensmittelgeschäfte, ein Kino, ein paar Kneipen und ein Hotel gibt, hat die Jugend über 18 Jahre nicht weiter zu tun, als Abends mit Ihren Autos die Hauptstrasse von ca. 600 m Länge mit Vollgas rauf und runter zu fahren.

Von Tanabru radelte ich weiter zum Kjöllefjord. Die Umgebung dort sieht aus wie eine Mischung aus Mondlandschaft und Atemberaubender Natur. Passend zur wundervollen Natur kam auch noch ein wunderschönes Wetter, mit Sonnenschein, blauen, wolkenlosen Himmel und angenehmen 20 Grad Celsius. Immer wieder phantastische Ausblicke auf Laksefjorden, Eidsfjord, Hopsfjorden und Oksfjorden. Dazwischen diese Stein- und Gras- landschaft. Eine Mischung, die das Radfahren angenehm, anstrengend macht, zumal das Wetter perfekt ist – 20 Grad und Sonne.

Zum gleichen Zeitpunkt waren es in Berlin wohl 15 Grad und bedeckt. Einige Kilometer vorm Kjöllefjord befindet sich ein kleines Birkenwäldchen. Es ist aber nicht nur ein kleines Birkenwäldchen, sondern der nördlichste Birkenwald der Welt. Wobei ich persönlich den Wald doch lieber mehr als Wäldchen bezeichnen möchte. Die Fähre vom Kjöllefjord sollte gegen 4:15 h in der Frähe, nach Honningsvåg ablegen. So machte ich es mir am Hafen bequem um bis in der Früh auf die Fähre dort zu warten. Gegen Abend erschien ein deutsches Auto. Schnell kamen wir ins Gespräch. Renate und Gerd aus Salzgitter, waren mit Ihrem Auto unterwegs zum Nordkap.

In Honningsvó¡g aus schloss ich mich der Karawane aus Wohnmobilen, Reisebussen, Motorrädern und Autos an. Nur noch 36 km sind es noch bis zum Nordkap. Dem wohl teuersten und meist suchtesten Punkt aller Skandinavienreisenden. Eintritt zum Nordkap 175 NOK (Ca 45,- DM). Welch ein Glück, das ich als Radfahrer nichts zahlen brauche.

Na, das allein hat doch die Reise und Anstrengung gelohnt!  Am Nordkap blauer Himmel und Sonnenschein. Ein Anruf zu Hause, alle sind  aus dem Häuschen, das ich das geschafft habe und ich selbst  bin in Hochstimmung, könnte die ganze Welt umarmen. Vereinzelte Reisebusse bevölkern das Nordkap, 71o 10l 21. In  Ruhe kann ich meine Fotos knipsen und den Ausblick auf die Barentssee  geniessen. Man kommt ins Gespräch mit anderen Leuten. Schnell geht die Frage rum mit welchem Verkehrsmittel man den da ist. Ich als Radfahrer bin dabei die Ausnahme und ein sogenannter Exot. Doch mit dieser Frage ist eigentlich nur eine Selbstdarstellung gemeint. Den nur wer das teuerste Wohnmobil führt ist auch der wahre Campingfreund.  Also ich bin mit dem grossen Wohnmobil, mit zwei Achsen, Gästedusche, Allradantrieb, Satellitenfernsehen usw. da. “Wenn ich alles Tanks auffülle und genug Verpflegung einpacke, dann brauche  ich drei Tage aus meinem Auto nicht aussteigen”, erzählt mir  mit voller Stolz ein älterer Herr.

Da kann man nur sagen, das er dann bestimmt die Menschen und die Natur bestens kennengelernt hat. Er  weis bestimmt was eine Mückenplage in Finnland oder ein Gnitzen Schwarm auf den Lofoten ist.
Ich treffe wieder auf Gerd und Renate. Alle gemeinsam hoffen  wir auf eine ruhige, genüßliche Mitternachtssonne. Pünktlich  um 23:00h ist es mit dem Träumen vorbei. Ein Reisebus nach dem anderen schüttetet seine Tourist aus. Wohnmobile stapeln sich auf dem Parkplatz. Am Nordkap selber wird das sehen allmählich zum Hindernis lauf. Mir kommt es vor wie auf der n?rdlichsten Love Parade der Welt. Menschen über Menschen. Gegen 24:00 h werden neben uns Sektflaschen geöffnet, als wenn es heisst auf die Jahrtausendwende anzustossen.

Man füllt sich in die Arme. Man hat es geschafft. Und wirklich, die Menschen haben es geschafft. Sind doch die meisten mit Ihren Bussen innerhalb von 2- 4 Tagen zum Nordkap geknüppelt , während ich mir alle Zeit der Welt nehmen konnte. Am Ende zähle ich 35 Busse, etliche Wohnmobile und unzählige Autos. Der Trubel wird mir zuviel! Eigentlich hatte ich angedacht am Nordkap zu übernachten. Bei soviel Menschen vergeht mir aber schnell die Lust am Zelt Aufbau. Ich will weg! Da meine nächste Fähre gegen 6:00 h in der Früh nach Havosysund ablegt, beschliesse ich mich in Richtung Fährhafen auf zu machen.

Leicht genervt stoppe ich meinen Drahtesel an einem See, um eine kleine    Frühstückspause, um 2:00 h am, einzulegen. Gerade als ich dabei bin mir ein Käsebrot hinter die Kiemen zu schieben, Stoppt neben mir ein Reisebus. ” Es ist Tradition am Nordkap einen Troll zu bauen”, höre ich den Reiseleiter sagen. (Trolls sind eigentlich Fabelwesen und werden des öfteren von Reisegruppen, oder Besser Reiseleitern für den Begriff: Steintürmchen, wie man sie im Gebirge des öfteren sehen kann verwendet. Es ist das Naturgraffiti der älteren.) Somit ist das Wettbauen eröffnet.

Alle Reisenden sind nun damit beschäftigt Steine auf einander zu stapeln. Nicht etwa klein, nein viel mehr die großen,  welche ich nicht alleine hätte tragen können, werden zu  gewaltigen Türmchen hochgestapelt. Und das alles in einem Naturschutzgebiet, wo sogar noch darauf hingewiesen wird, das so etwas verboten ist. Ich bin selber so Perplex das ich nicht einmal ein Foto von der ganzen Sache machen konnte.

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