Polen 1999 – Mit dem Fahrrad von Berlin zum Nordkap

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Ich erreichte Polen nach bereits einem Tag. Die Grenze zählte nicht gerade zu den schnellen und so stauten sich die Autos an. Jetzt hiess es den Trumpf eines jeden Radfahrers voll auszuspielen. Rechts an allen vorbei und nett den Pass gezeigt. Der polnische Grenzer, in Kostrzyn, konnte mir meinen Wunsch von den Augen ablesen und drückte mir den Stempel in den Pass. In fast jedem Dorf winkten mir die Menschen zu. Für mich ist es immer wieder überwältigend, wie freundlich Menschen doch sein können. Wenn ich mein Radel am Supermarkt abstellte, war ich meist die Attraktion schlecht hin. Immer wieder wurde ich angesprochen. Dabei kristallisierten sich drei Hauptfragen heraus. Wohin? Woher? Was, allein? Ein Kopfschütteln mit gleichzeitiger Bewunderung erntete ich jedesmal für mein Vorhaben. Als ich mein Vehikel in der Nähe von Danzig ( Gedansk) am Supermarkt abstellte, kam ich ins Gespräch mit einem jungen Mann Namens Karol.

Die üblichen Informationen wurden ausgetauscht. Karol war mit einem schwarzen Anzug gekleidet. Auch am örtlichen Restaurant sammelten sich viele gut gekleidete Menschen. Voller Neugier fragte ich Karol: ` What is this for a Party?` ( Was ist das für eine Party?) ` That is the funeral from my Grandmother!( Die Beerdigung von meiner Oma!) Damit hatte ich dann wohl einen peinlichen Volltreffer gelandet. Eigentlich hätte mir das Ganze auch auffallen müssen, waren doch alle in dunklen Anzügen oder Kleidern erschienen.

In weiteren Gesprächen mit polnischen Landsleuten stellte ich fest, das ich gerade durchs alte Ostpreussen fuhr. ssberwiegend ältere Menschen sprachen mich darauf an. Bei ihnen kam so eine Art Stolz durch. Stolz darauf, das sie es soweit alleine nach dem Umbruch gebracht haben. Keiner sehnte sich nach den alten Grenzen.

Um so weiter ich ans Baltikum heran kam, um so schöner wurde es. Kleine Berge, Seen und wunderschöne Wälder brachten Abwechslung in das bisher gesehene Bild bestehend aus Feldern und Wäldern. Nur das Wetter wurde feuchter. Fast jeden Tag bekam ich es mit Regen zu tun. Zum Glück regnete es nie länger als 2 Stunden. Bei dieser zunehmenden Feuchtigkeit stellte sich für mich immer das Problem einen trockenden Schlafplatz zu finden, da ich seid Berlin immer im Freien übernachtet hatte. Bei Regen spannte ich eine Bauplane für 4,95 DM über mich rüber. Wie ich schnell erkannte, ist es eine der schönsten Möglichkeiten

beim Campen die Nacht zu verbringen. Es ist für mich der schnellste Weg frühmorgens – aus dem Bett unter das Blau des Himmels. Abends kommt man in den Genuss, wenn man keine Wolken hat, von einem Sternenhimmel, wie ich ihn selbst in Berlin noch nicht erblickte. Das Dunkel des Himmels ist verdeckt von vielen kleinen und gross leuchtenden Sternen. Im Schlafsack eingekuschelt mit dem Blick in die Sterne, ist es, als ob man dahin schwebt in seiner Phantasie. 800 Kilometer hatte ich bereits in den Beinen als ein komisches, aber auch gleichzeitig bekanntes Geräusch vom Hinterrad zu mir ans Ohr drang. Ein Knacken liess meinen Körper aufschrecken. Doch nun war nichts mehr zu retten. Die Hinterradfelge hatte wieder einmal einen Riss in der Mitte.

Langsam aber sicher würde sie mir irgendwann auseinanderbrechen. Da ich aber ein Sonntagskind und somit ein Glückskind bin, hatte ich das Glück nach weiteren 100 Kilometern in einem Gemischtwarenhandel, bestehend aus Kosmetik, Brillen, Lebensmittel und Sportgeräte auf engsten Raum, das für mich so nötige Ersatzteil zu bekommen.

Für die Felge, die mich von nun ab den Rest der Tour begleiten sollte, bezahlte ich umgerechnet 5,- DM. Eine Bushaltestelle mit Dach diente mir als Werkstatt. Es dauerte nicht lange bis ich angesprochen wurde. Diesmal war es der örtliche Pfarrer persönlich, der mich in ein Gespräch verwickelte. Wie so oft bei Kirchenvertretern kamen wir ins Gespräch über Religionen. Für mich war bei diesem Gespräch aber wichtiger wie die Polen zum Christentum stehen. Er erzählte mir, das viele Polen am Sonntag in die Kirche gehen, was aber nicht heissen soll, das alle nun Gläubige sind, wie sie der Papst gerne sieht. Nein viel mehr die Verbundenheit zum Papst, welcher selbst ein Pole ist, was die Menschen in die Gotteshäuser führt.

So befinden sich auch viel Kreuze am Strassenrand und Kreuzungen. Nach dem Gottesdienst am Sonntag trifft man sich im Sklep. Der Sklep ist so etwas wie die alten Tante Emma Läden in Deutschland. Hier redet man über dies und das, während genüsslich das offizielle Papstkonfekt, mit Bild vom Papst auf der Verpackung, verspeist wird. Ich für meinen Teil finde es überaus geschmacklos mit was die Kirche alles Geld verdient – mit heiligem Konfekt!

In den Skleps erhält man zu dem die neusten Informationen, über alles was einen so interessiert und über was die Leute reden wollen. Als ich einmal einen Sklep verliess, parkte ein Bauer gerade seine Kutsche wie wir ein Auto ein. Immer wieder schaute ich voller Verwunderung und gleichzeitiger Begeisterung zu den kühnen Cowboys des Ostens. Kenne ich doch Kutschen nur noch von dem Männertag in Berlin, wenn die grossen Biergläser stolz hochgehalten und grölenden Laute durch die Gegend geschickt werden. So etwas live mit erleben zu dürfen ist immer wieder phantastisch. In Berlin , wie in Polen und dem Baltikum. Je näher ich ans Baltikum kam , um so öfter sah ich Transportkutschen.

Eva & Mike Strübing

Wir, die gebürtige Oberpfälzerin Eva und der gebürtige Berliner Mike schreiten seit 2006 gemeinsam durchs Leben. Die Lust am Reisen, am Sport und das Erleben anderer Kulturen schweißt uns zusammen. Ein Leben ohne bewußtes erleben wäre für uns beide nicht vorstellbar. Den Leben ist Reisen, wie reisen leben ist.

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