Rezension: Push (Tommy Caldwell)

 

„Tommy wer?“, ist im Prinzip die einzige Reaktion, wenn man im Freundeskreis vom Buch „Push“ erzählt oder nachfragt, ob die Begeisterung beim Lesen eben jenes Werkes ähnlich groß war. Zugegebenermaßen: Selbst nur durch Zufall auf dieses außergewöhnliche Kletterbuch gestoßen und daher in der steten Gefahr, leicht hochmütig-empört „Was? Den kennst Du nicht?!?“ auszurufen, hat der Autor dieser Zeilen sich spontan für den positiveren Weg entschieden. Nämlich von nun an missionarisch für dieses so lesenswerte Buch zu werben. Also denn: Tommy Caldwell ist in einer mit nicht gerade langweiligen Protagonisten gespickten Kletterwelt (angefangen von den Huber Buam bis hin zu Mr. Free-Solo himself Alex Honnold) sicherlich derjenige mit der unglaublichsten Geschichte seines noch recht jungen Lebens.

Verlag

Penguin Books

Erscheinungsjahr

2017

ISBN – 10

 

ACHTUNG SPOILERALARM!

Wer sich all die Seite für Seite selbst erlesen möchte, möge an dieser Stelle aus Selbstschutz direkt zum letzten Absatz springen. JETZT!

Für alle anderen folgt nun nichts, was der Klappentext des Buches nicht schon beim ersten Handgriff im Buchregal hergibt. Von daher: In jungen Jahren von einem strengen Vater derart auf gefährlichste Gipfel getrieben, würden in der heutigen Zeit bei deutlich weniger vergleichbaren Unternehmungen das Jugendamt, die Whats-App-Elterngruppe der Grundschule sowie Amnesty International gleichzeitig massivst in der Einfahrt demonstrieren. Als junger Mann beim Klettern in Kirgisien eine Geiselhaft nur knapp überlebt und in den Folgejahren mit dem dazugehörigen Trauma kämpfend. Beim Bau des eigenen Hauses in einer für ein höchst konzentriertes Kletter-Genius seiner Art nicht nachvollziehbaren Ungeschicktheit das größte Stück seines linken Zeigefingers unrettbar abgesägt. Allen Ärzteprognosen zum Trotz durch einen unvergleichlichen Willen statt dem daraus resultierenden Ende des Kletterns der Sprung auf ein noch höheres Leistungsniveau. Durch eine unvergleichliche Manie und visionäres Denken nach 7 (in Worten: Sieben!) Jahren mühevoller Vorbereitung, unzähligen Versuchen und dem steten Wiederaufstehen nach jedem Scheitern schließlich mit seinem Kletterfreund Kevin Jorgeson eine nicht für möglich gehaltene Route vollendet.

Dies nur die reißerischen Fakten des Inhalts, ab hier wieder ohne Spoiler: Verpackt wird alles in einer detailreichen, immer wieder humorvollen (wer nennt seine Kinder bitteschön „Fitz“ und „Ingrid“?) und vor allem intensiven Schilderung seiner Expeditionen und Unternehmungen. Verzweiflung und stetiges Fragen nach dem Sinn dieser oftmals exponierten, nicht gerade ungefährlichen Lebensweise (mit vs. ohne Nachwuchs) werden hierbei nicht ausgespart, so dass ein Satz immer wieder im Unterbewusstsein des Lesers auftaucht: „Was soll denn noch alles passieren?“ Wahlweise auch als Mantra: „Lass dieses Buch nicht zu Ende gehen, lass dieses Buch nicht zu Ende gehen…!“ Wem eher nach visuellen Gelüsten dürstet dem sei zudem der sehenswerte zugehörige Dokumentarfilm „The Dawn Wall“ empfohlen, am besten als Schmankerl nach der Lektüre. Sollte diese Reihenfolge nicht möglich sein, dann aber wenigstens umgekehrt. Die Reaktion wird so oder so die gleiche sein: „Wann zum Geier gehe ich endlich klettern?“

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