Schweden 1999 – Mit dem Fahrrad von Berlin zum Nordkap

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Über Längserand fuhr ich nach Schweden. Mein Vordergepäckträger war schon seid Trondheim dabei langsam aber sicher den Geist aufzugeben. Erst brach mir eine Schraube. Wenige Tage später stellte ich erste grosse Risse in den Rohren des Gepäckträgers fest. Und nun kurz vor Karlstad hielt nur noch ein Spanngummi, das Gepäck von den vorderen Speichen weg. Mit einem stätigen Blick auf die linke Tasche fuhr, ich vorbei an den `EU-Shops` kurz hinter der Grenze. Hier wo die Norweger billig einkaufen gehen.

Schweden

Am Abend – ich wollte mich gerade hinlegen, mit einem wunderschönen Blick auf einen See – bemerkte ich eine kleine Beule in meiner Isomatte. Kurz nach dem ich diese erblickte und mich gleichzeitig langsam von der Isomatte bewegen wollte, wurde diese Beule etwas grösser. In etwa so gross wie die Hälfte der Matte. “Meine Isomatte war dabei ihren Geist aufzugeben.” Jetzt hatte ich zwar ein supergemütliches Kopfkissen, aber nichts mehr was meine Beine noch abpolsterte. So verbrachte ich diese und alle folgenden Nächte etwas unbequemer als sonst.
In der Nähe von Vöse fragte ich nach dem Weg nach Karlstad an einem Haus wo zwei ältere Herren und ein Junge standen. Nach dem mir der Weg erklärt wurde, lud mich der Hausbesitzer noch zu einer Cola ein. Schnell waren wir in einem Gespräch vertieft und als ich so über meine Tour und den Erlebnissen erzählte bekamen alle die Hände nicht mehr von der Stirn und ein `What..` war wohl das häufigste was ich zuhören bekam. Uno, so der Name des Hauseigentümers, schlug mir dann vor bei ihm zu übernachten, damit ich in Ruhe noch mal im Vänern-See baden können und er mich noch weiter ausfragen konnte. Ich sollte vielleicht erwähnen, das Er nicht gerade viel englisch sprach.
Mit Händen, Füssen, Gestikten und Zeichnungen war es aber eine der lustigsten Unterhaltungen die ich je hatte. An dieser Stelle möchte ich doch sehr das `Ohne Wörter Buch` vom Langenscheidts- Verlag empfehle. Dort sind fast alle Sachen in Form von Bilder abgebildet. SEHR ZU EMPFEHLEN!!!
In Karlstadt angekommen fragte ich mich durch alle Autohäuser, um jemanden zufinden der mir meinen Gepäckträger schweissen wolle. Erst in einer – ich möchte mal sagen Feldschmiede – wurde ich fündig.

Der Mann war sogar so schnell mit meinem Gepäckträger verschwunden um diesen zu schweissen, das ich nicht einmal zu einem Foto kam.
Wenn ich an einem Supermarkt o.s. stand und in Gespräch mit Schweden kam, fragten mich viel, als ich meinte das ich aus Berlin komme: `…East or West?. Zu erst dachte ich mir, ` Oh Gott, jetzt geht das wieder los…, doch im Gegenteil die Menschen waren sehr interessiert, als ich meinte `East!. Wie ist es jetzt? Wie war es früher? Welches System ist das bessere? usw., waren nur einige Fragen. Ich konnte darauf immer nur antworten, das ich 13 Jahre jung war, als die Wende kam und ich die DDR nur als Kind kennengelernt habe und da war die DDR für mich super. Mir wurde als Kind viel geboten, was ich heute bei unseren Jugend etwas vermisse. Über soviel Aufgeschlossenheit war ich begeistert!
Ich fuhr zwischen den beiden grossen Seen Vättern und Vänern entlang. Das Wetter war bestens. Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Jeden Tag hatte ich mit Temperaturen von über 30Grad zu kämpfen. Dadurch waren die See auch so warm, das man einfach baden gehen musste. Leider fand ich nicht jeden Abend einen See, wodurch ich wieder gezwungen war mein Wasser vorrätig zuhaben, um Abends auch kochen zu können.
Am Supermark in Gullspss¡ng traf ich auf Sacha. Sacha ist ein echter Europäer.

Schweden

In Deutschland geboren, den Grossteil der Jugend in Frankreich verbracht und `wohnt` jetzt gerade in Holland oder da wo Er Arbeit hat. Seine einzige feste Adresse ist die mail Adresse. Sacha war gerade auf dem Weg zu Nordkap.Bei Strömenden Regen verbrachten wir etliche Stunden vorm Supermarkt und tauschten Erfahrungen und Tips aus. Kurz bevor der Markt schloss kauften wir beide noch mal ein und suchten uns dann gemeinsam einen Lagerplatz für die Nacht. Jeder warf etwas in die Runde.So kamen wir zu einem üppigen Abendmahl. Er erklärte mir auch wie man Brot macht ohne sich die Finger grossartig dreckig zu machen. (Essen und Backen) Auf seinem Heimweg besuchte er mich dann noch in Berlin.
Von Jönköping aus gings kreuz und quer durch Südschweden. Vorbei am Vänern- See usw. Eines Nachts, es war so um 2:00h morgens, wurde ich aus meinen schönsten Traum geholt. Irgend ein Tier hüpfte in nicht alt zu grosser Entfernung um mich herum. Dazu lies es immer wieder furchterregenden Schrei los. Erst in Deutschland kam ich dahinter, das es ein einfacher Rehbock war, der mir zwei Stunden von meiner Nacht raubte und mich das fürchten lehrte. So lernt man dazu!
Nach zwei Wochen in Südschweden erreichte ich Helsinkborg. Hier nahm ich Abschied von Skandinavien. Es war ein schwerer Abschied. Hatte ich doch in Skandinavien soviel Ruhe und Entspannung gefunden. Konnte ich mich hier doch weiter entwickeln und Erfahrungen sammeln ohne ein grosses Risiko einzugehen. Mit schwerem Herz nahm ich nun also Abschied und setzte über nach Helsingor/Dänemark.

Eva & Mike Strübing

Wir, die gebürtige Oberpfälzerin Eva und der gebürtige Berliner Mike schreiten seit 2006 gemeinsam durchs Leben. Die Lust am Reisen, am Sport und das Erleben anderer Kulturen schweißt uns zusammen. Ein Leben ohne bewußtes erleben wäre für uns beide nicht vorstellbar. Den Leben ist Reisen, wie reisen leben ist.

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