Hygge erleben – Ein Dänemark Roadtrip mit Kind

Wir wollen nach Dänemark. Das Land, welches Hygge lebt und zu den glücklichsten der Welt gehört. Von Flensburg aus planen wir, wie weit wir nach Dänemark reinfahren. Schnell ist die erste Entscheidung gefällt. Tønder, eine kleine Stadt in Süddänemark, soll das erste Ziel sein.

Dort gibt es wohl einen Stellplatz mit Toilette und der Möglichkeit, Wasser aufzufüllen. Sogar unser Reiseführer hält zu dieser kleinen Stadt aus dem 12. Jahrhundert einige Informationen bereit. Also Fahrräder wieder in die Heckgarage, kurz durchputzen, Gashahn abdrehen, los geht’s.

Kaum losgefahren bekommt unsere kleine Tochter Hunger. Großen, dringenden Hunger, welcher sofort gestillt werden muss. Geduld kommt in ihrem Wortschatz noch nicht vor oder hat noch nicht die gleiche Bedeutung wie bei uns. Charlotte ist nämlich ein Kind, das gerne später frühstückt, als seine Eltern. Von wem sie das hat, ist noch unklar.

Auf der Strecke Richtung Dänemark macht uns der starke (sehr starke) Wind zu schaffen. Mal eine Böe von links, dann von rechts und na ja, von vorne merken wir es später auch noch auf unserer Tankanzeige. Mit 80 km/h wackeln wir Richtung Norden. 

Vorbei an weitläufigen grauen Feldern. Windräder drehen sich am Horizont. Wolken am blauen Himmel ziehen schnell von Osten nach Westen über unser Wumeli hinweg. Kleine, rote, gemauerte Häuser stehen einsam zwischen den Feldern, umrahmt von windschützenden Bäumen.

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Rømø Strand Fahrräder

Hinter der Grenze biegen wir am Sportplatz vor Tønder ein. Kinder kicken ein paar Bälle über den Platz. Einige andere Wohnmobile stehen auf dem Stellplatz. Doch was müssen wir feststellen: Das Wasser zum Auffüllen ist noch abgedreht. Auch haben wir noch gar keine dänischen Kronen. Was nun? Wir brauchen das Wasser ja nicht nur zum Kochen, sondern auch für die Heizung. Nach kurzer Beratung also wieder gegen den starken Wind zurück.

Das Navi verrät, dass wir knapp zwei Kilometer hinter der Grenze einen kleinen Stellplatz auf einem Hof finden würden. Und so ist es auch. Udo, so heißt unser Gastgeber für diese Nacht, kommt auch gleich zu uns, während wir auf einer grünen Wiese, neben den Hühnern und mit Blick auf ein am Horizont sich drehendes Windrad, einparken.

„Wasser gibt es noch nicht, da noch Frostgefahr besteht“, meint Udo, um im gleichen Atemzug, „Na dann drehe ich das mal auf“. Und so haben wir wieder einmal auf unserer ersten richtigen Campertour gelernt, dass man immer dann Wasser ablassen und auffüllen sollte, wenn man die Möglichkeiten dazu hat.

Unseren ersten größeren Stopp in Dänemark legen wir auf der Insel Rømø ein. Drei Tage verweilen wir auf diesem traumhaften Eiland, bei stürmischem Wind und wechselhaftem Wetter. Wir besuchen den größten Sandstrand Europas (auf dem man auch mit Autos fahren kann) und besteigen den höchsten Berg der Insel. 

Für unsere Tochter Charlotte wird es die erste Bergbesteigung sein, auf der wir sie nicht irgendwie tragen oder motivieren müssen. Mit einer Leichtigkeit schafft sie die acht Höhenmeter, welche es zu überwinden gilt. Dann stehen wir alle zusammen auf sagenhaften 23 Höhenmetern und genießen einen wundervollen Weitblick, wie wir ihn sonst nur aus unserer Heimat in Oberbayern kennen.

Spaziergang durch Ribe
Spaziergang durch Ribe

Gleich hinter Rømø in nördlicher Richtung liegt Ribe, die älteste Stadt Skandinaviens. Wer auf seinem Weg Richtung Nordkap oder Schweden Zeit hat, sollte hier unbedingt einen Stopp einlegen. Die gesamte Innenstadt ist ein einziges Fotomotiv aus alten, historischen Häusern, die sich alle um einen überdimensional großen Dom auf dem Marktplatz herum winden. Kaffees, kleine Geschäfte mit Produkten aus Glas, mit den typischen dänischen Designermöbeln oder Touristenmitbringseln bilden die malerische Kulisse der Altstadt. 

Auch wenn der Vergleich hinkt: Ein bisschen wirkt es wie Hoi An in Vietnam. Ribe hat etwas mystisch Historisches. Man schlendert durch die Gassen genauso wie vor gut 200 oder 400 Jahren. Nur dass damals die Geschäfte andere und die Menschen keine Touristen waren.

Nach wenigen Tagen in Dänemark und durch die Chance, alles langsam erleben zu können (wir haben ja Zeit!) sind wir entspannt. Wir genießen den ruhigeren Verkehr auf den Landstraßen. Keiner der uns auf einer 80er-Strecke mit Tempo 100 überholen muss, weil wir gerade mal mit 75 km/h dahin kriechen. 

Die Menschen sind freundlich und alle Städte, welche wir besuchen, haben etwas von Gelassenheit. Irgendwie scheint es so, als wenn man hier das Wort Stress und Hektik nicht kennt.

Am Strand von Blavand Huk, dem westlichsten Festlandspunkt Dänemarks, üben wir uns bei frostigem Wind im Bernsteinsammlen und finden: Nichts! Wir besuchen die Kulturhauptstadt Europas von 2018 (Aarhus) und freuen uns über ein Radwegenetz in der Stadt, von dem deutsche Städte nur träumen können.

Auch hier merken wir, dass man ruhiger und gelassener ist. Hygge scheint es wirklich zu geben. An den Ampeln warten alle Autofahrer brav, bis die Radfahrer durch sind. Jede noch so kleine Nebenstraße scheint einen Radweg zu haben oder ist für Autos komplett gesperrt.

Unsere Empfehlung

Pause in Aarhus
Pause in Aarhus

Die Bibliothek von Aarhus im Dokk 1, am alten Hafen, ist kein Ort der Ruhe, wie wir es uns unter einer Bibliothek vorstellen. Es ist ein lebendiger Ort, an dem viel für Kinder geboten ist. Hier gibt es Räume fürs Musizieren, Erfahren und Erleben. Alleine die beiden Kinderspielplätze auf der Empore zeigen, dass die Dänen anders ticken als wir Deutschen. 

Doch Dänemark hält auch einen kräftigen Schock für uns bereit. Die Lebensmittelpreise liegen hier bei mehr als 40 % über denen in Deutschland. Beim Einkauf von Essen werden wir arm. Andererseits gibt es durchs ganze Land hindurch preisgünstige Wohnmobilstellplätze und vor allem überall schnelles Internet. Egal an welchem Strand wir standen, es fühlt sich an, als ob der WLAN Router in der Hosentasche steckt.

Die Dänen haben in Europa mit die höchste Steuerlast und sind dennoch eines der glücklichsten Länder der Welt. Was für uns Deutsche wie ein Widerspruch aussieht, ist bei genauer Betrachtung der Einsatz zum Wohlstand für die Bevölkerung. 

Der dänische Wohlfahrtsstaat verlangt vieles, federt aber auch Not und Engpässe ab. Arbeitslosengeld wird länger und höher bezahlt, dafür sind die Kündigungsfristen kürzer.

So auch gut zu sehen in der Hauptstadt Kopenhagen. Sie zählt zu einer der lebenswertesten Städte Europas und der Welt. Bettler oder Obdachlose, wie man sie aus Hamburg oder Berlin kennt, sieht man hier wenig bis gar nicht.

Mit der Freistadt Christiana bietet Kopenhagen für Europa ein einmaliges Beispiel der Gestaltungsmöglichkeiten von Freidenkern und Kreativen. In den siebziger Jahren aus einer Besetzerszene gegründet, im Laufe der Jahrzehnte vor Räumungen bewahrt, ist Christiana wohl heute eine der Hauptattraktionen der dänischen Hauptstadt. Hier darf man scheinbar alles (außer Fotos vom Drogenkauf oder dem Konsumieren zu machen).

Radfahren in Kopenhagen
Radfahren in Kopenhagen

Kopenhagen besitzt viele Parks, ein perfektes Radwegenetz und günstige öffentliche Verkehrsmittel. Unsere komplette Stadtrundfahrt haben wir mit zwei Rädern und Kindersitz absolviert. Wobei ein Lastenrad, auf dem der Mann fährt und die gesamte Familie vorne Platz genommen hat, typisch dänisch gewesen wäre.

In den zwei Wochen, die wir Dänemark bereisten, standen wir einige mal frei, nutzen sonst zahlreiche gut ausgebaute und preiswerte Wohnmobilstellplätze und erlebten dänische Gelassenheit, die langsam auf uns überging.

Verlassen haben wir dieses wunderbare, aber auch teuer Land über Helsingør, am Öresund. Hier ist Schweden zum greifen nahe. 

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