Elternzeit Roadtrip – 10 Überlegungen für den perfekten Trip

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Elternzeit Roadtrip – 10 Überlegungen für den perfekten Trip
Während der Elternzeit ergibt sich die Möglichkeit, eine selbst gewählte Zeit zusammen zu verbringen. Hat man beruflich die Chance dazu und das nötige Kleingeld gespart, ist eine Variante eine Reise zu unternehmen.
Mit einem Auto, Van oder Wohnmobil die Elternzeit zu genießen, bietet den großen Vorteil der eigenen Individualität. Ihr seid immer mobil, könnt bleiben wo es euch gefällt oder auch spontan Weiterfahren!
Im Bus oder Wohnmobil hat man darüber hinaus die Möglichkeit, einen Mittagsschlaf zu machen, Essen vorzubereiten oder schlechtes Wetter auszusitzen.
Auf Campingplätzen entstehen, dank des Nachwuchses, schnell Kontakte zu anderen Reisenden. Tipps zu schönen Stränden, Sehenswürdigkeiten oder Spartricks, können ausgetauscht werden.

Definiert den Begriff  “Urlaub”!

Es klingt vielleicht komisch, wenn wir hier schreiben, das es einer „Definition Urlaub“ bedarf. Aber was bedeutet für jeden von Euch der Begriff „Urlaub“?
Während eines Roadtrips mit Wohnmobil, Campingbus, Fahrrad oder Zelt, heißt es sich auf dem Campingplatz einzurichten. Ist man stolzer Besitzer eines mit Küche und WC ausgestatten Wohnmobils, das sogar noch Drehsitze und Sitzgelegenheit besitzt, geht das Wohnlich machen auf einem Campingplatz schnell. Sonnenschutz ausfahren, Stühle rausstellen, Strom anschließen.
Kommt man hingegen mit einem VW Bus der nicht der California Klasse angehört, oder gar mit Zelt, ist die „to do“ Liste länger. Rückbank umklappen, Zelt aufbauen, Taschen umsortieren, Schlafplatz vorbereiten, Strom anschließen, Sonnenschutz aufbauen, Kochbereich vorbereiten, es gemütlich machn, nebenbei Kind beschäftigen und sich einigesein oder werden was Priorität hat.

Das mag jetzt nicht sonderlich kompliziert klingen. Will man jedoch von Murnau bis auf die Lofoten, wie wir, dann bedeutet es, dass man dieses Spiel regelmäßig durchführt. Je nach Streckenplanung vielleicht sogar täglich.

Einmal haben wir die Zeit gestoppt. Es hat rund 1h gedauert, bis wir alles so hatten, dass es kindgerecht und wetterfest war.

Die Beschäftigung des Nachwuchses variiert je nach Alter und Tagesform. Mit 10 Monaten beschäftigte sich unsere Tochter auch schon mal eine gewisse Zeit alleine. Mit Taschen ausräumen, Cremedosen verspeisen oder genau dorthin zu krabbeln, wo ein absolutes Krabbelverbot herrschte.
Es ist also ein stetiges Auf- und Abbauen, bei jedem Wetter, auf jedem Campingplatz, zu den verschiedensten Tageszeiten.

Und das Kochen, Berichte schreiben, Reiseführer studieren, sich mit anderen Reisenden austauschen, sich erholen – auch vom Kind, ist noch nicht mit eingerechnet. Da heißt es dann auch, alles was benötigt wird aus den Kisten raus- und später wieder einsortieren.
Trifft das Eure Vorstellung von Urlaub? Darf das Teil des „Urlaubes“ sein? Ja, dann los!

Was ist zu beachten bei der Auswahl des Reisezieles?

Wo soll es während der Elternzeit hingehen? Dort wo der geile Bikepark im letzten Jahr war oder wo ihr geklettert seid? Die Vorlieben jedes einzelnen Familienmitgliedes und wie sich alle Vorstellungen unter einen Hut bringen lassen, muss individuell je nach Familie abgewogen werden.

Mit dem Bus durch Norwegen

In Südeuropa kann es im Sommer recht warm werden. Taugt einem das im Camper oder Zelt? Der Norden hingegen wartet mit mehr Regen und niedrigen Temperaturen.
Sind alle beteiligen wetterfest und können auch eine gewisse Zeit mit Dauerregen umgehen? Australien, Neuseeland, Kanada oder USA, sind mit langen Anreisen verbunden.
Und vor allem, wie wird das geplante Reiseziel kindgerecht?

Beispiel Lofoten:
Uns verschlug es während der Elternzweit weit in den Norden Europas, bis hoch auf die Lofoten. Für uns waren nicht alle von den Touristeninformationen angegebenen Wanderungen mit Kraxe tauglich.
Es ist eine subjektive Einschätzung der Mitarbeiter. Ein Kraxe mit Kind ist eben nicht ein Rucksack! Wobei das unsere Meinung ist. Für andere sind die Touren vielleicht machbar. Wichtig für den hohen Norden ist wetterfeste Bekleidung fürs Kind und auf alle Fälle ein warmer Schlafsack, sowie eine warme Mütze. Auf den Lofoten können die Temperaturen auch im Sommer nachts auf null gehen.
Die Strände auf den Lofoten liebte unsere Tochter. Sand der durch die Finger rieselt ist wunderbar. Vor allem bevor er im Mund verschwinden kann.

Zelt – eine gute Alternative zum Camper

Fredvang – Lofoten

Je nach Bus-Variante ist die räumliche Innengestaltung sehr unterschiedlich. Ein Zelt mitzunehmen, bietet die Möglichkeit auf dem Campingplatz dieses als Lager, Spielwiese, Schlafplatz oder alles zugleich zu nutzen.

Mit dem Bus wäre die Mobilität vor Ort dann gesichert. In Skandinavien kann das Zelt fürs Wildcamping aufgebaut werden (siehe hierzu Jedermannsrecht unter dem Punkt „Übernachtungen“).

Wir hatten für unsere Reise ein Familienzelt der preiswerten Variante von Decathlon dabei und sind gut damit ausgekommen. Es bot uns bei Schlechtwetter einen Rückzugsraum und wir konnten, wenn das Kind geschlafen hat, im Vorzelt bequem sitzen, lesen oder Tagebuch schreiben.
Es gibt für kleinere Camper auch Vorzelte die direkt an den Bus angebaut werden können. Sieht hübsch aus, nimmt allerdings im gepackten Zustand, im Vergleich zu einem Familienzelt, viel Stauraum ein.
Am besten ist es, den Bus so zu packen, dass man bei schlechtem Wetter oder kurzer Stehdauer ohne Probleme im Bus schlafen könnte. Es bedarf hierzu einer guten, sehr guten Packordnung.

Wo sein Nachtlager aufschlagen?

Vorab solltet Ihr Euch kurz belesen haben, wie es mit Campingplätzen aussieht. Sind diese kinderfreundlich? Gibt es Waschmaschinen auf den Plätzen?
In Norwegen, Schweden oder Dänemark habt ihr mit Campingplätzen kein Problem. In diesen Ländern sind sie sehr zahlreich vertreten und auch in den größeren Städten gut ausgeschildert.
Für Norwegen muss nicht Vorreserviert werden. Es gibt fast immer einen Platz und die meisten nehmen auch gar keine Reservierungen an. „Wer zuerst kommt, malt zuerst“, ist oft die Devise. Ist der Campingplatz dann doch voll, in der Nähe gibt es bestimmt noch einen Weiteren.

Bewusst sein sollte man sich, dass das Jedermannsrecht nicht für Wohnmobile oder motorisierte Reisende gilt! Es wird zwar selten geahndet, rechtens ist es dennoch nicht.

In Italien sind die Gegenden um den Gardasee und entlang der nördlichen Küsten stark frequentiert. Nahe Venedig gibt es Campingplätze, die ihre Plätze für den Sommer in den Wintermonaten an den Meistbietenden versteigern, weil die Nachfrage so groß ist!

Wie sichere ich meinen Camper und Stellplatz?

Camping Platz an der E6 in Norwegen

Es gibt aber auch die Variante der nächtlichen Störung oder den Versuch die Fahrräder von der Heckklappe abzubauen. Es ist daher empfehlenswert, den Fahrersitz im Auto frei zu halten, um eine schnelle Abfahrt vom Gefährdungsort zu ermöglichen.
Fahrer und Beifahrertür lassen sich mit einem Sicherungsgurt verbinden. Dadurch wird verhindert, dass eine der Türen von außen geöffnet werden kann. Der Gurt ist schnell in einer Notsituation entfernt, um sich in Sicherheit bringen zu können. Fürs Wildcamping ist daher zu beachten, dass Fluchtwege vorhanden sein sollten!
Auf Campingplätzen gilt im Allgemeinen, das Rückwärts neben dem Zelt eingeparkt wird. Kommt es auf dem Campingplatz zu einer Evakuierung, braucht nicht lange rangiert zu werden. Ein geordneter Fahrzeugabfluss ist gewährleistet.
Einige Campingplätze geben Vorgaben, wie Zelt und Auto zustehen haben. Am besten an der Rezeption nachfragen.

 

Ordnung das A und O des Roadtrips

 

Wirklich wichtig für eine Camping Elternzeit ist die Ordnung im Camper oder Zelt während der Reise. Um einen Überblick zu behalten, wo was ist, sollte eine Grundordnung vereinbart werden und die Dinge immer wieder dorthin zurückgeräumt werden. Es klingt so einfach, ist es auch wenn man sich strikt daran hält. Am besten ihr beschriftet die Kisten oder Beutel mit dem groben Inhalt.
Im Auto sollten einige Dinge immer griffbereit sein. Essen für den Nachwuchs, Wickelzeug, Ersatzbekleidung, Spielzeug, Mülltüte.
Stellt Euch während der Fahrt auf alles ein. Motorschaden, Erdbeben, Tsunami, Megastau, Fähre kommt erst in 4 Stunden, Tank leer. Für alle Eventualitäten solltet Ihr genügen Proviant, genug zu trinken und für den Sommer eine Picknick- oder im Winter eine Wolldecke dabei haben. Alles muss schnell erreichbar sein. Kleinkinder kennen selten das Wort: „Geduld“.

Essen

Unsere Essenskisten

In Europa ist die Dichte an Supermärkten recht hoch. Wer motorisiert unterwegs ist, sollte mit der Versorgung keine Probleme haben. Klar ist, dass gerade Norwegen hohe Lebensmittelpreise hat. Je nach Vorlieben und Geldbeutel, kann es sinnvoll sein, einen Lebensmittelvorrat mitzuführen.

Was die Kindernahrung betrifft sieht es schon anders aus. Nicht jeder Supermarkt hat eine breite Auswahl an Babybrei vorrätig. Das Label „Bio“ ist in Norwegen so gut wie gar nicht zu bekommen.
Natürlich kann der eigene Pürierstab eingepackt werden. Doch wie haltet Ihr die Gläschen kühl?

Unsere Tochter war 8 Monate, als wir mit ihr in Richtung Norden gestartet sind. Die ersten Wochen ging das mit dem Brei essen gut. Dann haben wir angefangen, was „normales“ anzubieten, wie es in den Lehrbüchern steht. Mal ein Stück Brot, mal Nudeln, Bananen und Oliven waren später der Renner. Wir hatten Gläschen für jeden geplanten Reisetag dabei, plus Obstgläschen, plus Getreide- und Milchpulver. Einige Gläschen haben wir wieder mit nach Hause genommen. Vor allem die gesunden Obstgläschen wurden tapfer und beständig vom Nachwuchs verweigert.

Wie plane ich meine Strecke?

Als wir unsere Reise am Schreibtisch geplant haben, war die Vorstellung, dass wir an einigen Tagen Strecke machen und am anderen Ruhetage einlegen werden. Doch manchmal kommt alles anders als geplant.
An Tagen an denen wir weiterkommen wollten, wollte unser Kind nicht so wie wir. Es schrie, wollte Spielen oder das Wetter war einfach zu schön, um zu viel Zeit im Auto zu verbringen.

Seid Flexibel. Im Norden Europas, wo es im Sommer 24 Stunden taghell ist, kann man auch mal gut nachts fahren. Überlegt Euch, ob Ihr den Pausenort schon vorab planen wollt oder legt Euch Zeiten fest, wann Ihr Eure Pausen machen wollt. Wir sind eine Zeit sehr gut damit hingekommen, dass wir vormittags, wo das Kind geschlafen hat, gefahren sind. Mittags eine Pause mit Essen und Spielen gestalteten, eventuell nochmal fuhren und dann ab 15 Uhr spätestens unser Lager aufgeschlagen haben.

Das funktioniert aber auch nur dann, wenn unterwegs keine größeren Highlights waren, die wir uns ansehen wollten.

Jetzt bloß nicht anhalten!

Es ist früh am Morgen. Unsere Tochter hat gespeist. Die Sachen sind gepackt. Die grobe Route steht. Nun sollte alles schnell gehen.
Mit Gebrüll, großen Kullertränen und wilden Gezappel geht es in den Kindersitz. Einer schnallt das Kind an, während der andere den Motor umlässt. Wir haben nämlich Glück, unser Kind mag Autofahren, wenn sie sich erstmal im Kindersitz befindet. Am liebsten wenn es Müde ist. Alles verstaut, los geht’s.
Kaum sind wir unterwegs, dauert es auch nicht lange und die liebste aller Töchter ist in den Schlaf versunken. Die Sonne strahlt, die Landschaft ins atemberaubend und die Eltern genießen nun die Ruhe.
Wir fahren um eine Kurve. Vor uns ein weitläufiger Fjord mit türkis leuchtendem Wasser. Steile Berghänge ragen fast senkrecht bergauf. Was für ein Bild! Was für ein Fotomotiv!
Parknische gesucht. Motor aus. Kamera geschnappt. Kind wach! Was nun?

Für uns war es das schwerste auf unserem Elternzeit Roadtrip eine gute Balance zwischen dem Wohl des Kindes und dem eigenen Erleben der nordischen Naturvielfalt zu finden. Ab und zu haben wir den Motor einfach laufen lassen. Ab und zu hat das auch funktioniert. Ein anderes Mal, durfte Einer aussteigen, um sich die Naturschönheiten anzuschauen, während der andere langsam eine Runde über den Parkplatz drehte. Ein anderes Mal haben wir nur kurz den Ausblick genossen und sind dann schnell weiter.

Wieso ein Tagebuch führen?

Zunehmend führen Reisende einen Online Blog. So können zum Beispiel Daheimgebliebene der Reise folgen. Gerade Großeltern freuen sich über Berichte und vor allem Fotos.
Doch was ist Jahre nach der Reise, wenn man selbst oder sogar das Kind vielleicht noch mal etwas nachlesen möchte? Gibt es den Online Blog dann noch?
Wir raten dazu, während der Reise, ein alttraditionelles Tagebuch in Papierform zu führen. Nicht nur weil es beständiger ist, sondern vielmehr auch, da sich in einem solchen Tagebuch auch mehr Erinnerungen einbringen lassen. So kann man Rechnungen oder Fotos einkleben. Dinge können notiert werden, welche für die Außenwelt Tabu sind.
Das Kind kann später, seine erste Reise noch mal nachlesen und vielleicht sogar mit den eigenen Kindern später nachfahren.

Auch wenn man es im Moment oder kurz nach der Reise nicht glaubt, aber im Laufe der Zeit vergessen wir viel. Gerade Kleinigkeiten geraten ins Hinterfeld. Ist es da nicht etwas Wunderbares, wenn man dank dieses Buches in Erinnerungen schwelgen kann. Vielleicht interessiert sich sogar der Nachwuchs in späteren Jahren dafür und Details aus seiner Kindheit. Ist das nicht wertvoller als alles Geld der Welt?

Nichts ist während der Reise beständig. Das Kind entwickelt sich während des Roadtrips weiter. Was gestern noch ging, funktioniert morgen nicht mehr.

Eva & Mike Strübing

Wir, die gebürtige Oberpfälzerin Eva und der gebürtige Berliner Mike schreiten seit 2006 gemeinsam durchs Leben. Die Lust am Reisen, am Sport und das Erleben anderer Kulturen schweißt uns zusammen. Ein Leben ohne bewußtes erleben wäre für uns beide nicht vorstellbar. Den Leben ist Reisen, wie reisen leben ist.

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